Der Anfang vom Ende

27.05.2017 | Rum Valley, Jordanien


Keine Gnade zeigte heute Morgen unser Wecker. Trotz luxuriösem Hotel und hinreichend gemütlichen Betten wurden wir gegen 5:00 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Schnell alles zusammengepackt und in den Autos verstaut, traf sich das Team 101 Nacht gegen 5:30 Uhr zum eigens für die Rallyeteams eingerichteten early breakfast, denn schon um 6:00 Uhr sollten wir unsere Autos satteln und unsere Reise in Richtung Petra antreten. Wehmütig fuhren wir eine lange Zeit an der Küste des Toten Meeres in Richtung Süden und schwebten im wahrsten Sinne des Wortes noch in der Erinnerung des Vorabends. Die etwa drei Stunden lange Autofahrt führte uns im Anschluss über beeindruckende Felsenlandschaften, ehe wir den Touristenort erreichen sollten. Kaum waren die Autos abgestellt, zeigte sich abermals das große Interesse der Einheimischen an unseren Gefährten und deren Inhalten (uns natürlich exklusive =)). Als Standardtouri mit Sightseeing-Stress lehnten wir dankend ab und machten uns auf den Weg zur Ausgrabungsstätte.

Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen hier ein paar Daten über das UNESCO-Weltkulturerbe: Petra selbst war die Wirkungsstätte der Nabatäer vor etwa 2000 Jahren. Es handelt sich dabei um langgezogene Felsschluchten, die durch Grabstätten und Tempel geprägt sind, welche wiederrum direkt in den Fels gemeißelt sind. Von einfachen Höhlen zum Wohnen, über einfach Grabstätten im Stein bis hin zu prachtvoll verzierten Tempelfassaden für die Obersten zeigten die Nabatäer uns ihre Meißelkultur. Petra lag an einer wichtigen Handelsstraße, was durch entsprechende Zollsätze für entsprechenden Geldfluss in der Stadt sorgte. Wiederentdeckt wurde die Stadt 1812 durch einen Schweizer. Als Ingenieure beeindruckte uns nicht nur die kulturelle Seite dieser Stätte, sondern auch das ausgeklügelte Wassersystem, was von Frischwasserleitungen, über Sammelbecken bis hin zu einem künstlich angelegten, 80m langen Wassertunnel ging, um die Schlucht selbst vor dem Ertrinken zu bewahren. Wir sollten dort den ganzen Tag verbringen. Auf dem Hineinweg wurden wir von einem Tourguide auf Deutsch durch die Schluchten geführt, welcher sein fotografisches Verständnis mehrfach in Szene setzte, „nuuuuur von hier können Sie XY sehen!!“. Ein Superfoto hat er von uns vor dem Haupttempel – dem „Schatzhaus“ – gemacht. Nach der offiziellen Führung gingen wir noch zum sogenannten Kloster auf dem Berg. Etwa 800 Stufen, die mal mehr oder mal weniger eben waren, erklommen wir dieses in unseren Berg-Flipflops im Eselgegenverkehr. Nach der herrlichen Aussicht von oben ging es den gleichen Weg wieder zurück durch die Schluchten. Erst am Nachmittag setzten wir unsere Fahrt total verschwitzt und müde vom Parkplatz aus in Richtung Rum Valley zum Abendlager fort.

Eigentlich sollten wir zum Sonnenuntergang im Lager angekommen sein. Das hat natürlich nicht geklappt, denn am Eingang des Tales fanden wir noch eine schöne Fotokulisse, um unsere Boliden noch einmal im abendlichen Licht zu fotografieren. Zufälligerweise war die Fläche, auf die wir die Autos gestellt haben ziemlich eben und so nutzten wir die Wüste, um nochmal ordentlich Staub aufzuwirbeln. Das ging auch so lange gut, bis der Escort in einem tieferen Sandstück hängen blieb. Rallyeauto typisch wurde nicht lange nachgedacht, der Zafira kam von hinten an und schob Stoßstange an Stoßstange den Escort aus dem Schlamassel. Das hat auch funktioniert, allerdings bohrte sich daraufhin der Zafira in genau dem gleichen Sandstück fest – wer hätte das vermuten können. Nachdem weder Vorwärts- noch Rückwärtsgang irgendeine Wirkung außer Sand aufwirbeln und Löcher bohren zeigten, war das Abschleppseil schnell montiert und unter vereinten Kräften ging es rückwärts aus dem Sandloch.

Anschließend wollten wir das Camp aufsuchen, nachdem es allerdings im Rum Valley mindestens 5 verschiedene Campingplätze gibt und wir an keinem einen eindeutigen Hinweis finden konnten, fuhren wir sehr lange geradeaus weiter. So weit, dass absolut keine Zivilisation mehr zu sehen war. Dann beschlossen wir die Plätze der Reihe nach von hinten einzeln abzuklappern. Witzigerweise war dabei unser erster Versuch der Volltreffer und von „Allgäu-Orient-Rallye“ Schildern geleitet fanden wir den Sammelplatz. Nachdem der Parkplatz des Camps allerdings etwas klein war, gab es für uns am Anfang nur einen Abstellplatz auf der Zufahrtsstraße dahin. Bei der folgenden Umparkaction wurden noch ein paar Autos hin und her bewegt und allradangetriebene SUVs aus dem Sand neben der Straße mit Manpower befreit. Am Ende reichte es für uns doch noch einen Abstellplatz auf dem Hauptparkplatz.

Das geschäftstüchtige Camp hatte vor uns noch eine Gruppen Russen eingebucht, die wohl etwas unsanft rausgeschmissen wurden, nachdem wir ankamen. Denn mehrfach liefen Leute an uns vorbei, die uns mit den Worten: „Fucking Germans“, begrüßten. So hat es aber nichts ausgemacht, dass wir etwas zu spät waren und nachdem wir den GPS Tracker abgegeben hatten und unsere Flugunterlagen vom OK erhalten hatten, ging es für uns zum verspäteten Abendessen.

Im Anschluss folgte bereits die Siegerehrung. Das kam dann doch schneller als erwartet, denn ein gewisser Rallyealltag hatte sich schon eingestellt und die Siegerehrung läutete in gewissem Maße Abschiedsstimmung ein. Wir als Team 101 Nacht belegten einen grandiosen vierten Platz und holten uns stolz unsere Medaillen ab!!! Okay… rallyetypisch belegte jeder den vierten Platz, der ein Roadbook abgegeben hatte, aber hey, wir sind Vierter ;)

Bei der Siegerehrung selbst erwähnte Wilfried bei der kleinen Vorstellung des Teams, dass unser Teamchef Johnny demjenigen, der das Zuleitungskabel unserer LED 101 auf der Kiste vom Escort mehrmals durchgeschnitten hatte, einen häufigen flüssigen Klogang in der Wüste ohne Klopapier wünsche – an diesem Abend mussten wir unsere LEDs dreimal wieder herrichten… Eine Racheaktion folgte bei den vermuteten Tätern am nächsten Morgen.

Den Abend ließen wir uns dadurch nicht vermiesen und so ließen wir ihn gemütlich bei ein paar Drinks mit anderen Teams ausklingen. Obwohl die Rallye ja eigentlich noch nicht offiziell vorbei war, kam Abschiedsstimmung auf. Als Luftis ließen wir uns die Möglichkeit nicht nehmen noch etwas weiter in die Wüste zu laufen und den Sternenhimmel samt Milchstraße so gut wie möglich ohne künstliches Licht zu bewundern.






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1 Kommentar zu diesem Eintrag

mama 30.5.17 an johannes jordanien
30.05.2017 um 18:15

tolle fotos,sensationell,petra,einfach grandios.die beschreibung ist auch klasse ,welch tolle erlebnisse und abenteuer alles super.

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