Der Tag danach

28.05.2017 | Wadi Rum


Für unsere Verhältnisse konnten wir heute spät aufstehen. Doch letztlich trieb uns die heiße Wüstensonne trotzdem noch vor 9 Uhr aus dem Bett. Das jordanische Organisationskomitee hatte uns noch ein typisch jordanisches Frühstück organisiert. Für heute stand erstmals seit Adana nichts auf dem Plan – kein Wunder, denn der offizielle Abschluss der Rallye hatte gestern Abend stattgefunden. Im Voraus sollten wir unseren Wunschtermin für einen Heimflug angeben, wir wählten nächsten Donnerstag. Ein offizielles Programm gab es ab sofort keines mehr, außer dass in dem obligatorischen Jordanienpaket noch zwei weitere Nächte im fünf-Sterne Mövenpick Resort südlich von Akaba beinhaltet waren.

Noch war die Rallye für uns aber nicht vorbei, alles war wie gewohnt. Im Fahrerlager jedoch merkte man schon, dass es dem Ende zuging. Erste Teams fingen an sich zu verabschieden. Auch wir verabschiedeten uns von dem Team meh., die bereits am nächsten Morgen heimflogen. Es stand für heute nichts mehr auf dem Plan, wir hatten aber genügend Ideen um uns die Zeit zu vertreiben. Nach dem Frühstück wollten wir nicht, wie die meisten anderen Teams, direkt nach Akaba ins Hotel, sondern lieber noch ein paar Bilder in der Wüste machen. Erneut kam hierbei unsere Drohne zum Einsatz. Auch konnten wir die Autos mal richtig ans Limit bringen. Dazu gehörten Drifts, Donuts und Drag-Rennen. Die riesige, absolut flache, leere und trockene Wüstenoberfläche eignete sich dafür perfekt. In Deutschland würden wir uns das sicher nicht trauen, weil wir viel zu große Angst vor Schäden am Motor oder vor abgefahrenen Reifen hätten. Das interessiert uns bei diesen Autos jetzt eher weniger. Und wir können nicht verleugnen, dass die ganze Aktion viel Spaß machte und nebenbei schöne Bilder und Videos produzierte.

Als wir dort mit der Drohne Aufnahmen machten, kamen zwei Jordanier vorbei, die sich sehr dafür interessierten die Drohne zu kaufen. Da sie aber kaum Geld an sich hatten, luden sie uns kurzerhand zu einem Abendessen bei sich zu Hause ein, mit dem Ziel, dabei über das Geschäftliche zu reden. Vorher mussten wir aber noch in Akaba im Hotel einchecken, weshalb wir unsere Hufen schwangen.

90 Minuten später standen wir am Tor des Mövenpick Tala Bey Resort, lediglich 5 Kilometer von der saudischen Grenze entfernt. Die Temperatur war gleich hoch, wie in der Wüste, allerdings war die Luftfeuchtigkeit deutlich gestiegen, was die Hitze noch unerträglicher machte. Die Hotelzimmer waren natürlich sehr schön, allerdings war das 5-Sterne-Hotel wie schon am Toten Meer total übertrieben und nicht dem Charakter der Rallye folgend. Wir kühlten uns einmal in den Zimmern ab, duschten und zogen uns um, bevor es zurück zu den Autos ging. In der brennenden Nachmittagssonne sortierten wir unsere Sachen, da wir unserem jordanischen Freund gerne mehr als nur die Drohne zum Verkauf anbieten wollten.

Nachdem wir den kompletten Weg ins Wadi Rum zurückgefahren waren, kamen wir diesmal in das richtige Tal. Das Dörfchen Rum liegt im Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und unterliegt eigentlich einer Eintrittsgebühr von 5JD. Da wir aber eine Verabredung hatten, durften wir passieren und wurden zum Haus unseres neuen Freundes geführt.

Er wartete bereits mit einigen Freunden auf uns. Der Raum, in den wir geführt wurden, war für europäische Verhältnisse eher spärlich eingerichtet. Ringsum an der Wand waren zusammenhängende Sitzkissen ausgelegt, auf denen auch wir Platz nehmen durften. Der PVC-Boden nahm das restliche Zimmer ein. Neben den zwei Türen stand sonst nur ein kleineres Regal an der Wand, in welchem vor allem ein Fernseher seinen Platz hatte. Direkt daneben lag ein Sattel: „Das ist der originale Sattel von Lawrence von Arabien“, so unser Gastgeber. Wandschmuck gab es bis auf ein paar Suren aus dem Koran und einer Uhr keine.

Es war erst kurz nach 18 Uhr, gegessen durfte aufgrund des Ramadans erst nach Sonnenuntergang. Also wurde vorher die Drohne vorgeführt. Sofort kamen weitere Nachbarn, sowie die Söhne und Töchter unseres Gastgebers und zeigten sich schwer beeindruckt. Nach einiger weiterer Unterhaltung wurde um kurz nach 19 Uhr damit angefangen, Getränke einzuschenken. Nach vielen weiteren Minuten, in denen das Essen auf den Boden gestellt wurde, warteten wir im Kreis auf dem Boden auf den Ruf des Muezzin. Das kam uns durchaus lange vor und das obwohl wir den ganzen Tag gegessen und getrunken hatten. Als die Melodie endlich durch das Tal ging, durften wir anfangen von den Getränken zu kosten: Frische Kamelmilch (das Kamel stand im Garten), Wasser, Kirschsaft und Orangensaft. Das klassische arabische Essen mit dem Hühnchenfleisch serviert auf Reis samt Salaten wurde uns wieder serviert, diesmal allerdings nicht mit vergorener Schafsmilch sondern mit einer sehr schmackhaften Currymischung. Zu unserem Erstaunen aßen und tranken die fastenden Muslime am Tisch relativ wenig– zumindest weniger als wir, auch wenn das kein Maßstab sein mag; sie konzentrierten sich mehr auf das Rauchen.

Nachdem das Essen abgeräumt war, kamen wir sofort zum Geschäft. Wir sollten alles, was wir verkaufen wollten, in das geräumige Zimmer bringen. Neben den drei zusätzlichen Autobatterien, den LED-Scheinwerfern und der Kühlbox brachten wir auch die selbstgezimmerte Dachbox des Escort sowie diverse Kleinteile unter den Hammer. Unser Gastgeber wollte einen Fixpreis für alle sich im Zimmer befindlichen Sachen verhandeln, was auch uns das Leben viel einfacher machte. Wir konnten uns auch relativ schnell auf einen für beide Seiten sehr fairen Preis einigen. Lediglich die Drohne wurde separat verhandelt und war im Endeffekt zu teuer. Sie wurde demnach nicht verkauft.

Immer mehr arabische Männer kamen in den Raum um unser Zeug von unserem Gastgeber abzukaufen. Es war wie auf einem Basar. Für uns war die Situation aber sehr entspannt, da wir wie gesagt nur einen Ansprechpartner und einen fixen Preis vereinbart hatten. Nach kurzer Zeit hielten wir auch das vereinbarte Geld in der Hand und ließen unseren Gastgeber mit seinen Freunden alleine weiterfeilschen. Interessant war jedoch immer noch, dass keine Frauen anwesend waren. Geschäfte machen ist wohl auch heute noch eine Männersache in der arabischen Welt.

Der Escort, der schon seit Tagen immer stärkere Kupplungsprobleme hatte, wollte nun die Gänge überhaupt nicht mehr annehmen. Nach einem fachmännischen Blick von Toby und Phil konnten wir das Problem aber schnell ausmachen. Durch das gezielte Einsetzen einer Schelle und dem Verlängern des Kupplungswegs dadurch, konnte innerhalb von fünf Minuten der Escort wieder fahrbereit gemacht werden. Und ehrlich gesagt läuft die Kupplung jetzt sogar besser als am Tag des Kaufes!

Recht spät kamen wir wieder am Hotel an, aber völlig begeistert von der Gastfreundlichkeit der Jordanier und recht stolz auf unser gutes Geschäft!

 






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