Heilig und modern

24.05.2017 | Bethlehem, Israel


Wir wachten nach einer Nacht voller Sandsturm in der Wüste auf. Es war deutlich kühler als angenommen, selbst um kurz nach 9 Uhr war es noch angenehm warm. Die ganze Nacht waren israelische Militärjets und Helikopter über uns geflogen, wahrscheinlich zur Grenzsicherung. Der Sandsturm von letzter Nacht dagegen war vollständig abgeflaut. Bevor es losging, machten wir noch ein paar Fotos in der ungewohnten Umgebung. Die sandige Geröllwüste eignete sich natürlich als wunderbarer Hintergrund.

Das erste Ziel war ein Canyon direkt um die Ecke. Wir sind dabei mit drei anderen Teams gefahren, dem Team meh, dem Team Fehlzündung und den Charity Explorers. Am Canyon angekommen fanden wir schon die grotesken Felsformationen wieder, die wir auch schon in der Türkei gesehen hatten. Der große Unterschied war allerdings die Vegetation: Wo in der Türkei noch Bäume und Grünpflanzen den Wegrand und die Hügel säumten, fanden sich hier in der Wüste höchstens noch ein paar karge Sträucher. Die Offroad-Strecke, die wir fahren wollten, wurde als zu schwierig für unsere Familienkutschen eingestuft und sollte zudem noch 23 Shekel (6€) pro Person kosten. Das war uns zu teuer und so blieben wir auf der Teerstraße und machten dort ein paar tolle Aufnahmen, auch mit der Drohne.

Direkt am Einstieg in den Canyon lag das Grab von Ben Gurion, einem der Gründungsväter Israels. Auch wir sollten diese Wallfahrtsstätte besuchen. Ben Gurions berühmteste Pose war ein Kopfstand vor besagtem Canyon. Unsere Aufgabe war es, ein Foto von einem unserer Teammitglieder zu machen, wie er eben diesen Kopfstand nachmacht. Carsten gab also vor Pilgerkulisse alles und die Roadbookaufgabe war mit Bravur gemeistert. Kurz vor dem Losfahren unterhielten wir uns noch mit Kanadiern, die sehr interessiert an unserer Rallye waren und sich selbst auf Pilgerfahrt befanden. Nach deren besten Glückwünschen setzten wir unsere Reise in Richtung Bethlehem fort.

Dazu muss man wissen, dass Bethlehem im Westjordanland liegt. Um in die palästinensischen Gebiete einreisen zu können, bedarf es auch hier dem Passieren eines Grenzpostens. Außer einem freundlichen Winken war aber bei dieser Einreise nichts weiter von Nöten. Das obligatorische Grenzfoto folgte danach selbstverständlich.

Unsere Route führte uns vom Südosten kommend einmal durch das halbe Westjordanland. Bis Hebron war der jüdische Einfluss sehr zu spüren – israelische Flaggen säumten die Straßen und zum Teil auch die zu Hauf an den Straßen positionierten Wachposten. Danach waren die Straßen eher von palästinensischen Einflüssen geprägt. Das ging hin bis zu Schildern, die Israelis die Einfahrt in gewisse Gebiete unter Gesetzesauflagen verboten.

In Bethlehem angekommen ergab sich noch eine kurze Parkplatzodyssee. Ein in hinreichend offiziell gekleideter Guide lotste uns zu einem etwa 100m von der Geburtskirche Jesu entfernten Parkplatz. Dort angekommen bot uns ein Tourguide eine Führung durch nämliche Kirche für 30 Shekel pro Person an (also etwa 7,50 €). Nachdem wir aber rallyebedingt nicht viel Zeit hatten und wir auch keine Führung wollten, wollte er auf einmal als „offizieller Parkplatzwächter“ 20 Shekel pro Auto fürs Parken. Auf mehrere Nachfragen, wo sein Preisschild stünde und mehreren Antworten a la: „My brother, you have to pay for parking“, nahmen wir unsere Autos und fuhren nochmals an der Kirche vorbei. Dort fragten wir den Polizisten, der uns schräg gegenüber auf einen kostenlosen Parkplatz führte. Ein freundliches Grinsen konnten wir uns in Richtung „Tourguide-Parkplatzwächter-ChefVonWelt“ natürlich nicht verkneifen.

Die Geburtskirche selbst wurde auf dem Ort gebaut, an dem der Stall von Jesus Geburt vermutet ist. Innen konnten wir uns wegen einer Beerdigung nur eingeschränkt bewegen, die Kirche glich aber eher einer Baustelle mit vielen aufgestellten Gerüsten. Im Keller konnten wir noch die offizielle Geburtsgrotte begutachten, der sich vor allem viele Italiener mit Küsschen näherten.

Auf dem anschließenden Weg von Bethlehem nach Jerusalem wartete abermals ein Grenzposten auf uns. Die beiden Städte gehen quasi direkt ineinander über – sie werden allerdings durch eine bis zu 9 Meter hohe Mauer voneinander getrennt. Inmitten der Geburtsstadt Jesu ist die Grenzmauer von zahllosen Grafites verschönert. Hier hat auch Banksy sein neues Hotel errichtet. Zusätzlich dazu sind Geschichten von der Errichtung der Mauer im Wall-Museum auf der Mauer angebracht. Beim Passieren des Grenzpostens musste unser erstes Auto noch seine am Flughafen erhaltenen Visa für Israel zeigen, der Rest unseres Dreiergespanns konnte wieder mit freundlichem Winken passieren.

Nachdem wir unsere Autos auf dem Fahrerlagerplatz abgestellt haben, wurden wir von einem lokalen Organisator begrüßt, der uns gerne seinen halben Liter Bier zum super special Preis von 25 Shekel verkaufen wollte. Wir lehnten dankend ab und machten uns auf den Weg in die Stadt. Ein Besuch an der Klagemauer stand an, wo wir die Friedensbotschaft des Rektors der Uni Stuttgart einsteckten. Anschließend bummelten wir durch die Straßen und aßen Shish Kebab in Pita und Falafel. Letztere waren mit dem obligatorischen Houmous bestrichen und wurden mit Fresh Lemon Juice, sauren eingelegten Salaten, auf die die Israelis sehr stehen, und Pommes Frites serviert. Den Abend ausklingen ließen wir im hippen Yehuda Market in Neu Jerusalem. Tagsüber herrscht hier reges Markttreiben. Sobald die Sonne sich aber unter den Horizont senkt verwandelt sich diese Einkaufsgasse in ein modernes Ausgehviertel mit einer riesen Auswahl an Bars, was von den jungen Leuten hier sehr rege genutzt wird. Wir probierten lokale Biere und Schnäpse, unter anderem Araq-Schnaps, ein lokaler Anisschnaps. Nach einer anschließenden halben Stunden Fußmarsch zurück zum Camp fielen wir nur noch in unsere Betten.






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